Dienstag, 10. Januar 2012

Was macht einen Menschen interessant?

Die meisten Menschen wünschen sich, für möglichst viele andere Menschen interessant zu sein, aber Interesse kann man nicht erzwingen; man kann es nur wecken, und dazu bedarf es beim Gegenüber Neugier. Wie bei Kleinkindern braucht es deshalb immer wieder Reize, um die Neugier seiner Mitmenschen zu wecken. Doch während Kinder von Natur aus neugierig sind (hier gibt es eine sehr schöne wissenschaftliche Erklärung dafür), stößt man bei Erwachsenen häufig auf sofortiges Desinteresse; manchmal entsteht es auch erst mit der Zeit, denn liegen zwei Menschen auf völlig verschiedenen Ebenen, wird das früher oder später dazu führen, dass das gegenseitige Interesse sinkt. Man hat sich dann einfach nichts (mehr) zu sagen.

Tatsächlich lassen sich Erwachsene durch ihre Vorerfahrungen nur noch relativ gezielt reizen, d.h. sie müssen die Reize als relevant empfinden, und hier kommt die berühmte "gleiche Wellenlänge" ins Spiel: Ob ein Mitmensch als interessant empfunden wird, hängt meiner Erfahrung nach von folgenden Faktoren ab: Hat man ähnliche Interessen und teilt dieselben Werte (in Sachen Hobby, Beruf, Beziehungsleben, Weltanschauung)? Fühlt man sich qua Intellekt und Psyche auf der gleichen Ebene? Und last, but not least: Kann man vom Gegenüber noch etwas lernen? Sicher spielen auch "oberflächliche" Faktoren wie Aussehen, Machtpositionen und die finanzielle Situation eine Rolle, aber diese sind (zumindest theoretisch) leicht wandelbar, und sie allein reichen keinesfalls, um langfristig interessant zu bleiben - davon bin ich jedenfalls überzeugt.

Eine ausgewogene Mischung aus "Ähnlich ticken" und "Sich ergänzen" sind meiner Meinung nach die besten Voraussetzungen, für sein Gegenüber interessant zu sein - und es auch zu bleiben. Ein Mensch, mit dem man sich in all den genannten Bereichen verbunden fühlt, wird einem nie gleichgültig sein. Trägt er zusätzlich noch dazu bei, das Wissen, den Erfahrungsschatz und die Persönlichkeit seines Gegenübers kontinuierlich zu erweitern, kann er sich sicher sein, auf Dauer für diesen Menschen interessant zu bleiben. Damit kehre ich zu meinem ersten Satz zurück und schlussfolgere: Es ist utopisch, für viele oder gar alle Menschen interessant zu sein, genauso wie es utopisch ist, viele oder alle Menschen dauerhaft interessant zu finden. Das tägliche Miteinander ist mehr eine Art Kompatibilitätstest: Bin ich interessant für dich? Bist du interessant für mich? In den seltensten Fällen werden diese Fragen mit einem eindeutigen "Ja" beantwortet, und eigentlich ist das auch überhaupt nicht schlimm. Es ist nur schlimm für denjenigen, der diesen utopischen Wunsch, allen gefallen zu wollen, verspürt und am Ende enttäuscht ist, wenn er sich (mal wieder) nicht erfüllt. Stattdessen sollte man lieber dankbar für jeden (einzelnen) "Kompatibilitätserfolg" sein und ansonsten: Einfach neugierig bleiben!

Kommentare:

Harry Klippervogel hat gesagt…

Schön, Dich wieder bloggen zu sehen. Interessant! ;)

Vero hat gesagt…

...und schön, dass du immer noch das gute alte Steinofenbrot bäckst - Mensch, damals, 1688, das waren noch Zeiten, Harry. Weißt du noch, als wir plötzlich von Friedrich I. regiert und Mainz kampflos an Frankreich übergeben wurde? Und als Henry Morgan das Zeitliche segnete? Gott sei mit ihm und all den anderen Freibeutern... und Bäckern natürlich!