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Dienstag, 10. Januar 2012

Was macht einen Menschen interessant?

Die meisten Menschen wünschen sich, für möglichst viele andere Menschen interessant zu sein, aber Interesse kann man nicht erzwingen; man kann es nur wecken, und dazu bedarf es beim Gegenüber Neugier. Wie bei Kleinkindern braucht es deshalb immer wieder Reize, um die Neugier seiner Mitmenschen zu wecken. Doch während Kinder von Natur aus neugierig sind (hier gibt es eine sehr schöne wissenschaftliche Erklärung dafür), stößt man bei Erwachsenen häufig auf sofortiges Desinteresse; manchmal entsteht es auch erst mit der Zeit, denn liegen zwei Menschen auf völlig verschiedenen Ebenen, wird das früher oder später dazu führen, dass das gegenseitige Interesse sinkt. Man hat sich dann einfach nichts (mehr) zu sagen.

Tatsächlich lassen sich Erwachsene durch ihre Vorerfahrungen nur noch relativ gezielt reizen, d.h. sie müssen die Reize als relevant empfinden, und hier kommt die berühmte "gleiche Wellenlänge" ins Spiel: Ob ein Mitmensch als interessant empfunden wird, hängt meiner Erfahrung nach von folgenden Faktoren ab: Hat man ähnliche Interessen und teilt dieselben Werte (in Sachen Hobby, Beruf, Beziehungsleben, Weltanschauung)? Fühlt man sich qua Intellekt und Psyche auf der gleichen Ebene? Und last, but not least: Kann man vom Gegenüber noch etwas lernen? Sicher spielen auch "oberflächliche" Faktoren wie Aussehen, Machtpositionen und die finanzielle Situation eine Rolle, aber diese sind (zumindest theoretisch) leicht wandelbar, und sie allein reichen keinesfalls, um langfristig interessant zu bleiben - davon bin ich jedenfalls überzeugt.

Eine ausgewogene Mischung aus "Ähnlich ticken" und "Sich ergänzen" sind meiner Meinung nach die besten Voraussetzungen, für sein Gegenüber interessant zu sein - und es auch zu bleiben. Ein Mensch, mit dem man sich in all den genannten Bereichen verbunden fühlt, wird einem nie gleichgültig sein. Trägt er zusätzlich noch dazu bei, das Wissen, den Erfahrungsschatz und die Persönlichkeit seines Gegenübers kontinuierlich zu erweitern, kann er sich sicher sein, auf Dauer für diesen Menschen interessant zu bleiben. Damit kehre ich zu meinem ersten Satz zurück und schlussfolgere: Es ist utopisch, für viele oder gar alle Menschen interessant zu sein, genauso wie es utopisch ist, viele oder alle Menschen dauerhaft interessant zu finden. Das tägliche Miteinander ist mehr eine Art Kompatibilitätstest: Bin ich interessant für dich? Bist du interessant für mich? In den seltensten Fällen werden diese Fragen mit einem eindeutigen "Ja" beantwortet, und eigentlich ist das auch überhaupt nicht schlimm. Es ist nur schlimm für denjenigen, der diesen utopischen Wunsch, allen gefallen zu wollen, verspürt und am Ende enttäuscht ist, wenn er sich (mal wieder) nicht erfüllt. Stattdessen sollte man lieber dankbar für jeden (einzelnen) "Kompatibilitätserfolg" sein und ansonsten: Einfach neugierig bleiben!

Samstag, 3. September 2011

Unser menschliches Theater

"Es kotzt mich an... unser menschliches Theater", sangen die Böhsen Onkelz auf ihrem 1998 erschienenen Tonträger "Viva los Tioz" (übrigens ihrem besten, wie ich finde). Nun mag man von den Onkelz halten, was man will (und die, die mich länger kennen, wissen, dass ich eine kleine Schwäche für gewisse Lieder dieser sicher nicht unumstrittenen Band habe), aber dieser Satz spricht mir wirklich zutiefst aus der Seele.

Es mag mir anfangs nicht so bewusst gewesen sein, weil ich bisher wohl das Glück hatte, dass sich mein Leben in Kreisen abspielte, die keinen oder nur spärlich vorhandenen Konventionen unterlagen. Aber mit dem Eintritt ins Berufsleben scheinen wir alle zu Schauspielern zu werden... werden zu müssen. Nun konnte ich Theater noch nie etwas abgewinnen (es ist die einzige Kunstform, die sich mir bisher noch nicht erschlossen hat), und außerdem bin ich so ziemlich die schlechteste Schauspielerin seit Dolores Fuller. Ich kann es nicht, und ich mag es nicht. Ich hasse es einfach, mich verstellen zu müssen oder Freundlichkeit zu heucheln (weshalb ich es auch vermeide, so gut ich kann). Noch mehr allerdings hasse ich es, mich mit Freundlichkeit zurückhalten zu müssen, wo sie meiner Meinung nach richtig und wichtig ist. Und genau das ist offensichtlich nötig, um im Berufsleben bestehen zu können.

Ich meine, warum sollte ich mich gegenüber einem Kollegen, zu dem ich ein sehr vertrautes Verhältnis habe, auf der Arbeit anders verhalten als privat? Warum "gehört" sich das nicht? Warum ist es "unprofessionell"? Warum zerreißen sich die Leute das Maul darüber, wenn sich zwei gut verstehen? Warum empfinden sie es als störend oder unangebracht, statt sich für die beiden zu freuen? Vielleicht ist es der hohe Konkurrenzdruck, der die Leute dazu bringt, zwischenmenschliche Gebärden auf der Arbeit anders zu bewerten als im Privatleben, aber ist es nicht auch absolut lächerlich? Es mag daran liegen, dass ich ein recht offener Mensch bin und meine Gefühle und Zuneigungen ebenso offen zur Schau trage (weil ich das ehrlicher finde) - jedenfalls habe ich ein großes Problem damit, mich in meinen Zuneigungsäußerungen einschränken zu müssen, nur weil irgendwelche Leute mit Stock im Arsch nicht damit klarkommen. Ich finde das schlichtweg falsch. Ich kann mich ein- und demselben Menschen gegenüber nicht den halben Tag lang total distanziert verhalten und ihn dann (als Ausgleich) den Rest des Tages zu Tode knuddeln. Was soll das bitte bringen? Wenn ich mich freue, jemanden zu sehen, dann möchte ich ihn zur Begrüßung umarmen können - egal, ob morgens auf der Arbeit oder abends vorm Kino. Denn selbst wenn ich das (auf der Arbeit) nicht tue, ändert es ja nichts an dem Fakt, dass die Beziehung zu diesem Menschen existiert, und dass sie entsprechend intensiv ist. Warum also all die Geheimniskrämerei und Schauspielerei und "professionelle Zurückhaltung"? Es kotzt mich wirklich an... unser menschliches Theater.

Samstag, 27. August 2011

Schicksalhafte Zufälle oder zufälliges Schicksal - ist unser Leben vorherbestimmt?

"Glaubst du an Schicksal?", wollte er gestern von mir wissen.
"Du meinst, dass alles, was in unserem Leben passiert, vorherbestimmt ist?", fragte ich zurück.
Er nickte. Also dachte ich nach.
"Ich glaube an so etwas wie veranlagte Vorherbestimmung - an Kausalität", antwortete ich schließlich.
(Anmerkung: Auf den Begriff der "Kausalität" hat mich Stephan erst im Nachhinein gebracht, aber er fasst sehr gut zusammen, was ich in diesem Moment ausdrücken wollte.)

Die Naturwissenschaftlerin in mir tut sich schwer damit zu glauben, dass irgendwer irgendwo irgendwie die Dinge lenkt. Aber ich halte es sehr wohl für möglich - wenn nicht gar unumgänglich - dass sich die Dinge gegenseitig lenken - nach dem Kausalitätsprinzip. Abhängig von gewissen Veranlagungen, Wahrscheinlichkeiten und einer Prise Chaos geschehen die Dinge, weil sie geschehen müssen. Klingt nach Vorbestimmung, ist aber im Prinzip nur ein Ursache-Wirkungs-Prinzip - eine Kausalkette, um genau zu sein. Unsere Erbanlagen, unsere Sozialisation, unsere Interessen, unsere Lebenserfahrung und der Grad an Wahrscheinlichkeit des Auftretens eines bestimmten Ereignisses bestimmen, ob es letztendlich wirklich auftritt, und wenn es das tut, wie es verläuft und welche Auswirkungen es auf unser weiteres Leben hat.

Er und ich, wir haben uns an einem Freitag, dem 13., kennen gelernt. Ich arbeitete damals noch im Content und er im Content-Support, was so viel bedeutet, wie: Wenn ich ein technisches Problem hatte, schrieb ich ein Ticket (d.h. eine Supportanfrage), und mit ein bisschen Glück meldete sich über kurz oder lang jemand vom Content-Support-Team bei mir und löste mein Problem. Mein Problemlöser war an diesem Freitag, dem 13., also er. Und bis hierher haben wir es nur mit Wahrscheinlichkeiten zu tun. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich bei der begrenzten Anzahl an Support-Tickets, die ich monatlich rausschicke, irgendwann einmal an ihn gerate? Support-Tickets geteilt durch Support-Mitarbeiter... ich würde sagen: recht hoch! Halten wir also fest: Früher oder später hätte er so oder so mit mir Kontakt aufgenommen. In unserem Fall geschah es nach etwa fünf Monaten.
Mein Problem hatte sich nun (erfreulicherweise) schon von selbst gelöst, so dass ich ihm dies direkt mitteilte, als er sich in Beantwortung meines Tickets bei mir meldete. Neugierig wie ich aber nun mal bin (und nett wie er in den ersten Sätzen klang) schaute ich jedoch sofort im firmeninternen Mitarbeiterverzeichnis (das u.a. mit Fotos versehen ist) nach, mit wem ich da eigentlich gerade chattete - und machte eine folgenschwere Entdeckung: ER war dieser Typ, der mir (zunächst aufgrund seiner markanten Erscheinung) bereits am Tag meines Vorstellungsgesprächs in unserer Firma aufgefallen war. Und an dieser Stelle kommt die Kausalkette ins Spiel: Er war ab diesem Moment kein Nobody mehr für mich, weil sein Name nun mit einem Bild und einer Begegnung bzw. der Erinnerung daran (d.h. mit einer emotionalen oder wertenden Komponente) verbunden war. Ich kann nicht leugnen, dass ich ihn schon damals - obwohl ich ihn ja nicht kannte, sondern maximal aufgrund seines Äußeren beurteilen konnte - interessant fand, was wohl wiederum daran lag, dass ich nichts langweiliger finde als Typen, die total normal aussehen. Was er also zum Zeitpunkt unseres Support-Chats nicht wusste, war, dass wir beide bereits eine Vorgeschichte hatten - zumindest von meiner Seite aus. Diese Vorgeschichte war es dann wohl auch, die mich dazu bewegte, ihm trotz seiner "Dann hab einen sonnigen Tag!"-Verabschiedung noch einmal zurückzuschreiben und somit letzten Endes in ein längeres Gespräch zu verwickeln. Wäre er nicht genau er gewesen, sondern irgendein unauffälliger Typ, zu dem ich (aufgrund mangelnder vorgeschichtlicher Anknüpfungspunkte) keinerlei emotionalen Bezug gehabt hätte, hätte ich es wohl bei einem "Danke, dir auch. Ciao!" belassen. So aber siegte die Neugier und der Wunsch, mehr über den (noch) Unbekannten zu erfahren. Halten wir also fest: Man könnte meinen, dass unsere Wege rein zufällig aufeinandergetroffen und dann plötzlich in gemeinsamen Bahnen verlaufen sind, aber ich behaupte, dass unser Zusammentreffen und alles, was sich später daraus ergeben hat, vorherbestimmt war - vorherbestimmt durch den gemeinsamen Arbeitsplatz, die gemeinsamen Interessen oder Ansichten, die berühmt-berüchtigte "gleiche Wellenlänge". Wäre einer dieser Punkte nicht gegeben gewesen, wäre unser Chat ein unbedeutendes Ereignis geblieben, das keine weiteren Nachwirkungen gehabt hätte. Unsere Wege hätten sich nur kurz gekreuzt und dann in unterschiedlicher Richtung fortgesetzt und wieder voneinander entfernt. So aber habe ich einen Menschen gefunden, der mein Leben enorm bereichert, vielleicht sogar komplettiert, in jedem Fall aber – und das ganz unabhängig davon, wie lange er in dieser Form in meinem Leben verweilen wird – eine Spur hinterlässt, einen Abdruck, etwas ganz Persönliches und Einzigartiges – etwas, das eine enorme Wirkung hat, aber gleichzeitig auch wieder die Ursache für viele weitere Ereignisse in meinem Leben war, ist und sein wird.

Gerade, wenn wir etwas besonders Schönes, Unfassbares oder auch Seltenes erleben, sind wir schnell geneigt, an ein Zufalls- oder Gotteswerk zu glauben. Dabei kommt ein Großteil doch immer aus uns selbst. Und genau deshalb finde ich es so wichtig, die Möglichkeiten, die sich uns zu hunderten und tausenden bieten, auch beim Schopfe zu packen. Schließlich können wir eigentlich gar nicht so viel falsch machen. Jeder Tag, jede Stunde, jede Minute ist eine neue Gelegenheit, unser Schicksal selbst mitzubestimmen, indem wir ihm die Chance geben, überhaupt erst zu unserem Schicksal zu werden. Wir können es uns nicht selbst konstruieren, aber wir können ihm durch unsere Entscheidungen eine bestimmte Richtung geben, eine persönliche Note – und dabei auch am Schicksal anderer Menschen teilnehmen, ein Stück des Weges mit ihnen gemeinsam gehen und uns währenddessen gegenseitig Wärme spenden.

Sonntag, 31. Juli 2011

Im Dunkeln ist gut munkeln... oder rumbläken.

Dieses Wochenende, das - nebenbei bemerkt - (zumindest gefühlt) das verregnetste Wochenende der Wetteraufzeichnungen war, haben Annett und Frank uns in Berlin besucht, und da man sich bei dem mehr als nur beschissenen Wetter (ich weigere mich, hier beschönigende Ausdrücke zu verwenden) auf Aktivitäten im Trockenen beschränken musste, waren wir im Dunkelrestaurant. Die Idee kam von Stephan, weil er vor Jahren schon einmal dort gewesen ist und es ziemlich cool fand. Ich jedoch muss sagen, dass ich es ziemlich überbewertet und für knapp 60 Euro pro Person definitiv viel zu teuer fand. Das Essen (wir haben uns alle vier für das Überraschungsmenü entschieden) war zum Großteil gar nicht nach meinem Geschmack und auch nicht wirklich so unglaublich einzigartig und gut, dass es sich gelohnt hätte, dafür drei Stunden im Dunkeln zu sitzen. Jedenfalls waren die drei Gänge aus meiner Sicht keine 35 Euro pro Person wert (Getränke exklusive). Dazu kam, dass es (durch das unmögliche Benehmen der anderen Gäste) unheimlich laut war und man sich kaum angenehm unterhalten konnte. Durch den Lärm fiel es dann auch schwer, sich ganz und gar auf seine Geschmackssinne zu konzentrieren. Und das groß angekündigte Abendprogramm, für das man noch mal 25 Euro pro Person extra zahlen musste, war auch nicht gerade der Brüller. Gut, die Udo-Lindenberg-Imitation kam ganz gut, aber den Rest (ein paar am Klavier vorgetragene Evergreens von Abba bis Bill Ramsey) hätte man auch in einer 0815-Livemusik-Bar irgendwo in Mitte für lau haben können. Fazit: Dunkelrestaurant lohnt sich maximal am Montag und Dienstag, wenn man dort auch ohne Zusatzprogramm essen kann, und dann sollte man sich doch sehr genau überlegen, ob man zum Überraschungsmenü greift oder zumindest, was man aus dem Überraschungsmenü ausschließen möchte. Kalte, schleimige Kalbsbacken zum Beispiel... oder in Rum ertränkte Früchte.

Freitag, 6. Mai 2011

Kekse, Nerven, Säcke, Wecker, Kränze, Eier

Ich kann es nicht leugnen: Ich habe diese tiefsitzende Angst - die Angst, anderen auf den Keks zu gehen. Besonders schlimm ist es bei Leuten, die ich noch nicht so lange kenne, die mir aber trotzdem sofort unheimlich sympathisch sind, weshalb ich dann natürlich gerne so viel Zeit wie möglich mit ihnen verbringen möchte. Diese Angst rührt wohl daher, dass ich überhaupt nicht einschätzen kann, ob ich mich nicht zu sehr aufdränge, zu viel ihrer wertvollen Zeit beanspruche oder sie abschrecke, weil ich zu schnell zu viel von mir preisgebe. Grundsätzlich ist es eben einfach so, dass ich gerne Zeit mit netten Menschen verbringe, weil es viel zu viele andere gibt, die einfach nur tierisch nerven. Vielleicht rührt meine Angst, dass ich anderen auf den Sack gehe, ja auch daher, dass es (leider) unheimlich viele Leute gibt, die MIR auf den Wecker fallen, denn das letzte, was ich möchte, ist, genau so eine Nervensäge wie die zu sein. Wenn ich es mir recht überlege, gibt es eigentlich maximal drei Personen in meinem Leben, die mir wohl nie, nie, nie, nie, nie auf den Kranz gehen könnten, und ich glaube, dass ich damit wirklich schon riesengroßes Glück habe, denn wenn ihr mal intensiv darüber nachdenkt, fällt euch dann überhaupt IRGENDJEMAND ein, bei dem ihr sofort alles stehen und liegen lassen würdet, um ein wenig Zeit mit ihm verbringen zu können? Dem ihr niemals böse wärt, selbst wenn er euch früh morgens aus dem Bett klingelt, obwohl ihr erst um 4 Uhr morgens schlafen gegangen seid, weil allein seine Stimme zu hören oder eine Nachricht von ihm zu lesen euch für jede verlorene Stunde Schlaf entschädigt? Jemand, mit dem euch nie die Gesprächsthemen ausgehen und mit dem selbst Briefmarkensortieren noch spannend wäre? Ich glaube, selbst wenn man nur eine einzige derartige Person in seinem Leben hat, kann man sich schon wirklich glücklich schätzen. Und deshalb hoffe und bete ich, dass ich MEINEN "Lieblingsmenschen" nie, nie, nie, nie, nie auch nur ansatzweise auf die Eier gehen werde... weil es nichts Schöneres gibt, als miteinander füreinander da zu sein.

Mittwoch, 6. April 2011

Requiem

Eigentlich ist es ja völlig egal, wie man beerdigt wird. Man bekommt es schließlich sowieso nicht mehr mit. Und trotzdem fände ich den Gedanken zu wissen, dass meine Beerdigung - zumindest ansatzweise - nach meinen Wünschen verläuft, beruhigend. Nun ist es so, dass ich noch nicht einmal 30 bin und meine Beerdigung statistisch gesehen erst in 53 Jahren stattfindet. Trotzdem gibt es Momente im Leben, in denen man mit dem (vorzeitigen) Tod konfrontiert wird - so wie letzten Freitag, als ich unser Auto auf der A9 zwischen Droyßig und Eisenberg wegen eines Vollidioten, der sich zu fein zum Blinken war, in die Mittelleitplanke fuhr. Totalschaden, Massenkarambolage, Vollsperrung - und wie durch ein Wunder keine Toten und keine Verletzten, nicht mal ein Kratzer. Ich habe nicht einen Moment daran gedacht, dass ich sterben könnte, meine Mitfahrer schon. Aber danach, wenn der Schock vorbei ist und man langsam wieder klare Gedanken fassen kann, danach fängt es im Gehirn an zu rattern: Was wäre, wenn... und hätte ich nicht...? Dann kommen sie plötzlich doch, die Fragen nach den Eventualitäten, und der Tod ist auf einmal nicht mehr nur pure Statistik, sondern etwas Persönliches, zum Greifen Nahes, Absehbares. Darum also auch die Überlegungen, wie ich mir meine Beerdigung wünschen würde. Und nein, ich werde jetzt nicht zum Notar rennen und mein Testament schreiben. Aber sollte ich das nächste Mal nicht ganz so viele Schutzengel bei mir haben, könnt ihr diesen Post ja berücksichtigen.
Da wäre zunächst einmal die Farbe der Kleidung. Schwarz ist klassisch, aber inakzeptabel. Ich bin kein Schwarzseher, und deshalb will ich auf meiner Beerdigung auch keine schwarz gekleideten Menschen haben. Ich schlage stattdessen lila vor. Vielleicht etwas viel verlangt, vor allem von den Männern, aber ich würde auch schwarze Anzüge mit lila Hemden akzeptieren. Oder zumindest ein lilafarbenes Einstecktuch. Hauptsache irgendein Farbtupfer. Lila hätte den Vorteil, dass es ein schöner Kontrast zu meiner Lieblingsfarbe gelb wäre, und gelb wären alle Blumen. Natürlich nicht irgendwelche Blumen - nein - es müssten schon meine Lieblingsblumen sein. Gelbe Gerberas sollen meinen Sarg zieren. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären. Ich möchte nicht verbrannt werden. Irgendwie fühle ich mich beim Gedanken daran nicht wohl. Lieber von Würmern zerfressen lassen - dann hat der Tod wenigstens noch einen kleinen Nutzen, nämlich den, eine Wurmfamilie satt zu machen. Ja, das würde mir gefallen. Und dann die Musik. Die Musik ist das Allerschwierigste! Wählt man etwas Fröhliches, Positives, hat man nichts gekonnt, weil in solchen Momenten keiner fröhlich ist und der Sinn des Liedes nicht zu den Leuten durchdringt. Wählt man etwas Schauriges, Trauriges, deprimiert man die Leute nur umso mehr. Gar keine Musik ist gar keine Option. Was also dann? Ein Instrumentalstück? Aber welches? Oder mein Lieblingslied? Aber ich habe so verdammt viele. Und wer weiß, ob die ältere Generation bei meinem Musikgeschmack nicht Gefahr laufen würde, einen Hörsturz zu erleiden. Vielleicht doch lieber einen Klassiker wie Sinatras "My Way"? Nein! Klassisch ist was für Hochzeiten. Beerdigungen sollten individuell sein. Ich hab's! Eine Live-Band muss her - oder auch ein Solomusiker. Und weil ich Überraschungen über alles liebe, werde ich keinen konkreten Song vorschlagen, sondern die Playlist auswürfeln lassen. Zur Auswahl stehen dann meine 20 meistgehörten Lieder bei Lastfm, und der Magic-Würfel entscheidet, welche davon gespielt werden. Wie viele und in welcher Form - d.h. ob rein instrumental, von einer Band, einem Sänger oder auch nur von CD gespielt, das sei meinen Hinterbliebenen überlassen. Denkt euch was aus! Und bitte, bitte, bitte nehmt ein Foto, auf dem ich lächle! Am besten eins in irgendeinem blöden Kostüm mit ganz vielen anderen Leuten um mich herum... denn wenn schon alleine sterben, dann wenigstens nicht einsam.

Sonntag, 16. Januar 2011

Jahresmotto

Seit ein paar Jahren gebe ich - angeregt durch meinen liebreizenden Ehegatten und unseren langjährigen Freund Tilo sowie die chinesische Tradition, jedes neue Jahr einem Tier der Astrologie zu widmen - jedem Jahr ein neues Motto. Es begann mit dem Jahr des Fisches, in dem die beiden Herren sich vornahmen, regelmäßig zusammen schwimmen zu gehen, und ward gefolgt vom Jahr des Ochsen, in dem sie ihre Muskeln im Fitnessstudio stählten. Ich lebte zu dieser Zeit (es war das Jahr meiner Magisterarbeit) mehr das Jahr des Faultiers. 2009 erkor ich dann zum Jahr des Springbocks, weil ich in dieser Zeit (recht sprunghaft) von Ort zu Ort zog, bis ich mich schließlich - am Ende des Jahres - in Köln niederließ. 2010 wurde - ohne Zweifel - das Jahr der Turteltaube. Und 2011? Nachdem wir Ende letzten Jahres in die Stadt, die niemals schläft, gezogen sind und ich dieses Wochenende Konzerttickets im Wert von knapp 600 Euro (für zwei Personen) erstanden habe, um in den nächsten Monaten Madsen, Rise Against, das Udo-Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont", Roxette, Bryan Adams und 2x Rainald Grebe live in concert zu sehen, denke ich, ich kann das "Jahr der Nachtigall" offiziell für eröffnet erklären. Einen schönen Einstieg und ersten Höhepunkt boten vor wenigen Stunden übrigens Madsen mit dem Nachholkonzert ihrer 2010er Labyrinth-Tour. Ohne zu zögern kann ich diesem den Titel "Bisher bestes Konzert meines Lebens" geben, weil einfach alles stimmte: Gute Sicht, ausnahmsweise mal keine betrunken-pokend-randalierenden Idioten um uns herum, Bombenstimmung, exzellente Songauswahl inklusive gelungenen Covern von Elvis über Take That bis zu La Roux, tolle Special Guests, spritzige Publikumsanimation durch die Band, im Gegenzug lustige Aktionen des Publikums und eine Hammerzugabe. So kann's weitergehen!




Mittwoch, 22. September 2010

Weise Worte eines Zwanzigjährigen...

Nun ja, ursprünglich stammen sie nicht von ihm, sondern von Herrn Remarque höchstpersönlich, und inzwischen ist er auch keine zwanzig mehr, sondern dreißig. Damals waren wir noch kein Paar, aber vielleicht haben seine Worte ja ein klitzekleines bisschen dazu beigetragen, dass wir es geworden sind. In jedem Fall waren es weise Worte, an denen ich euch nach über zehn Jahren teilhaben lassen möchte:

Es waren immer die kleinen Dinge, die Aufschluß gaben, nie die großen. Die großen lagen zu nahe der dramatischen Geste und der Verführung der Lüge.
Erich Maria Remarque, aus: "Drei Kameraden"

Dienstag, 20. Juli 2010

Das perfekte Brautkleid

Ende Juni habe ich mit Ingo für Galileo die perfekten Pommes getestet, und seit Ende Juni bin ich auf der Suche nach dem perfekten Brautkleid.
Für die Zubereitung der perfekten Pommes musste ich unseren Praktikanten Ralph ins 180 km entfernte Hulshout in Belgien schicken, um dort raffiniertes Rinderfett zu besorgen. Das verlangte das Rezept. Es war teuer, aber nicht unmöglich.
Für Brautkleider gibt es leider kein Rezept; und egal, wie teuer sie sind - perfekt sind sie alle nicht. Oder bin ich einfach zu anspruchsvoll? Dazu kommt, dass ich mich sowieso in einem inneren Zwiespalt befinde. Schließlich trägt man dieses Kleid (für gewöhnlich) nur ein einziges Mal in seinem Leben. Es ist also völliger Blödsinn, ewig viel Geld dafür auszugeben. Ich würde ja auch eins leihen, aber die Kleider, die man leihen kann, sind so hässlich, dass ich sie nicht einmal anziehen würde, wenn man mir dafür Geld böte. Die, die man kaufen kann, hingegen sind so teuer, dass sie eigentlich wirklich perfekt sein müssten, damit man überhaupt so viel Geld dafür ausgibt. Ich könnte mir ein Brautkleid nach meinen Wünschen schneidern lassen, aber dann bleibt immer noch die Frage, ob es am Ende wirklich so aussieht, wie ich es mir vorgestellt hatte.
Ich glaube mittlerweile, dass es mit den Brautkleidern wie mit den Männern ist: Das perfekte gibt es einfach nicht, und vielleicht ist das auch gar nicht nötig, denn am Ende wird es wahrscheinlich dadurch "genau richtig", dass man sich trotz seiner kleinen Imperfektionen für exakt dieses eine entschieden hat.

Donnerstag, 10. Juni 2010

Und weil's so lustig war...

...hier die Abschrift meines Gesprächs mit Alex letzten Samstag:

A: Mensch, Vero, ich muss dich unbedingt was fragen: Bist du zufällig letzten Donnerstag irgendwann abends über die Kreuzung Moltkestraße/ Aachener gelaufen?
V: Gut möglich. Ja, da war ich glaube am Brüsseler Platz verabredet. Wieso?
A: Hattest du da so 'ne Hotpant und irgendein rötliches Oberteil an?
V: Ja, weiß-rot war das glaube.
A: Ok, dann warst du das wirklich.
V: Sieht ganz so aus. Wo standest du denn?
A: Naja, ich stand da mit 'nem Kumpel an der Aachener, und plötzlich tauchst du auf. Mein Kumpel so: 'Scheiße, ist das 'n scharfes Teil!' Und ich so: 'Extremst!' Uns sind fast die Augen rausgefallen. Und dann gucke ich noch mal und sag' so: 'Warte mal, die kenn' ich doch!' Und mein Kumpel: 'Ja, ja, träum weiter!' Und ich: 'Ey, im Ernst, das ist doch Vero!' Und mein Kumpel dann so völlig trocken: 'Alex, solche Granaten wie die kennen keine Sprallos wie uns!', aber da warst du dann auch schon um die Ecke verschwunden.
V: O Mann, du bist wirklich 'n Sprallo! Wieso hast du mich nicht angeklingelt? Dann wäre ich noch mal zurück gekommen... Ich war eh zu früh dran.
A: Nee du, glaub mir, das hätte mein Kumpel nicht überlebt!

Anmerkung meinerseits:
Warum denn nicht?
Wenn man Männer so einfach glücklich machen kann -
an mir soll's nicht liegen!



Mittwoch, 9. Juni 2010

Popgymnastik und Rammelrunde

Letztes Wochenende stieg in meiner Kölner WG eine 80er Jahre Flash Aerobic Party, auf der alle Gäste mit entsprechenden Outfits erschienen, so dass (vor allem unter den Kolleginnen) schon lange vorher diskutiert wurde, was man denn so anziehen könnte. Dabei erzählte ich, dass wir früher im Sportunterricht zum Aufwärmen vor dem Geräteturnen immer Popgymnastik machten, und diese Aussage sorgte für großes Gelächter. Warum? Das Wort "Popgymnastik" ist offensichtlich eine Erfindung des DDR-Fernsehens, das hier völlig unbekannt ist und für die meisten Westdeutschen eher nach Bettsport klingt als nach Aerobic. Nachzulesen ist das Ganze übrigens auch auf Wikipedia. Unter "Aerobic" steht dort:
In der DDR wurde Aerobic Popgymnastik genannt und über die Fernsehsendung Medizin nach Noten populär gemacht. Bei dieser Sendung wurden in einer Turnhalle - unterlegt von westlicher Popmusik - Übungen vorgemacht, die von einigen Umstehenden und den Zuschauern zu Hause nachgemacht werden sollten. Als Popgymnastik wurde Aerobic in der DDR von Anfang an unter Einbeziehung von Sportmedizinern entwickelt. Dadurch wurden schädliche Belastungen und Übungen vermieden.
Etwas ganz Ähnliches ist mir übrigens auch in einem anderen Sportbereich passiert:
Als ich mich mit Su und Tim über Tischtennis unterhielt, erzählte ich, dass wir früher unsere Patschen mit in die Schule nahmen, um auf dem Schulhof Rammelrunde zu spielen. Auch dieses Wort wird hierzulande - wer hätte es gedacht? - direkt mit Bettsport assoziiert. Ich muss dazu anmerken, dass "rammeln" bei uns sowohl für "anstoßen" als auch "rennen" benutzt wird. Woher das Wort "Patsche" stammt, kann ich mir allerdings auch nicht erklären - wahrscheinlich daher, dass man mit der Patsche (d.h. dem Schläger) gegen den Ball patscht. Die Thüringer scheinen übrigens nicht die Einzigen zu sein, die ein eigenes Wort für "Tischtennisschläger "haben. So soll man die Kelle im Ruhrpott "Plecken", in der Pfalz wiederum "Plätsch" nennen.
Wie auch immer, ich möchte diesen Post mal wieder mit einem passenden Zitat von Rainald Grebe beenden: Ich liebe die Unterschiede, juha!

Montag, 17. Mai 2010

Parallelen

Der Mensch denkt gerne in Kategorien, weil das Denken in Kategorien das Leben so unheimlich viel einfacher macht. Ständig suchen wir Parallelen zu schon Bekanntem, aber oft planen wir die Dinge auch bewusst so, dass sie in eine uns bekannte Kategorie passen; und manchmal sehen wir selbst da Zusammenhänge, wo eigentlich nur Zufälle walten... weil der Gedanke, dass das, was da passiert, "einfach nur so" und "ohne einen höheren Zweck" geschieht, viel zu sehr schmerzt.
Letzten Donnerstag habe ich Peppino einschläfern lassen, weil ich ihm jegliches weitere Leid ersparen wollte. Die Wahl fiel auf Himmelfahrt. Das war eine bewusste Entscheidung, denn ich wollte auch, dass er seine letzte Ruhestätte "zu Hause" findet; und da ich Köln erst am Mittwochabend verlassen habe, bot sich der Himmelfahrtsdonnerstag an, um Peppino endgültig von seinem Dauerschmerz zu erlösen. So konnte sich auch Stephan noch einmal persönlich von ihm verabschieden. Immerhin war Peppino "unser Kind", das ganz nach seinem "Papa" kam. Ja, das Bilden von Parallelen macht Vieles leichter, aber gerade auf emotionaler Ebene macht es auch Vieles schwerer. Ich hätte nicht gedacht, dass es Stephan so mitnimmt. Männer weinen ja selten. Aber an diesem Tag haben wir beide viel geweint. Er fehlt halt.
Und dann am Abend der Anruf von meiner Mama: "Opi ist tot." Er war der ältere meiner beiden Opas - ruhig, ein Schlemmer, etwas dickköpfig, aber unheimlich liebenswert. Er war schon länger krank. Sein Zustand hatte sich innerhalb der letzten Wochen rapide verschlechtert - keine Chance auf Heilung. Meine Oma war dabei, als es passiert ist. Sie konnte sich mehr oder weniger noch von ihm verabschieden. Sein Tod war gewissermaßen die Erlösung.
Parallelen? Jede Menge! Dabei ist eigentlich alles nur Zufall. Trotzdem macht es die Sache leichter... weil ich all diese Gedanken schon einmal gedacht habe. Das heißt nicht, dass ich abgestumpft bin, nein, aber der Gedanke, dass mein Opi kein Einzelfall ist, wirkt ein klein wenig beruhigend - nicht, weil sein Tod dadurch weniger schmerzt, sondern weil ich weiß, dass es trotz allem weitergehen wird. Auch wenn er fehlt.





Samstag, 10. April 2010

Zwischenmenschliches

Aus aktuellem Anlass möchte ich mir hier mal etwas von der Seele schreiben, das mich schon länger beschäftigt. Die Situation ist Folgende: Ich gehe am Freitag- oder Samstagabend mit ein paar Leuten weg, und typischerweise ist immer mindestens ein Single-Mann dabei, den ich bisher nur flüchtig oder noch gar nicht kannte. Man unterhält sich, trinkt etwas, tanzt bis in die frühen Morgenstunden; und während ich es einfach genieße, mit netten Leuten unterwegs zu sein und zu netter Musik zu tanzen, spielt sich im Gehirn des Single-Manns eine ganz merkwürdige chemische Reaktion ab, die dazu führt, dass er am Ende des Abends (oder genauer gesagt: am nächsten Morgen) der Meinung ist, er und ich wären "wie füreinander geschaffen". Und das, obwohl ich dem Single-Mann unmissverständlich klar gemacht habe, dass ich seit knapp 10 Jahren glücklich vergeben bin. Aber selbst wenn das nicht der Fall wäre... also ohne jetzt arrogant klingen zu wollen (höchstens anspruchsvoll, hehe)... es war bisher auch noch niemand dabei, der auch nur annähernd "wie für mich geschaffen" war. Nur weil man ein oder zwei gemeinsame Lieblingslieder hat (dafür aber auch hundert bis zweihundert "Ich-liebe-den-Song"-vs.-"Das-ist-der-schrecklichste-Song-aller-Zeiten"-Momente) heißt das doch noch lange nicht, dass man perfekt zusammen passt. Ich verstehe ehrlich gesagt nicht ganz, woher diese Männer immer das Selbstbewusstsein bzw. die Selbstverständlichkeit nehmen zu glauben, dass die Anziehungskraft, die ich (anscheinend) auf sie ausübe, in jedem Fall auf Gegenseitigkeit beruht.
In diesem Zusammenhang stellt sich mir nun die alles entscheidende Frage: Wie vermeide ich es, bei einem Single-Mann, mit dem ich einfach nur einen netten Abend verbringen möchte, den utopischen Gedanken hervorzurufen, er könne bei mir landen?
Ingo sagt, ich darf einfach nicht so nett sein. Aber wie soll ich das machen? Es wäre wirklich völlig gegen meine Natur, jemandem blöd zu kommen, der den ganzen Abend nett zu mir ist.
Stephan sagt, ich soll den Single-Männern von Anfang an die kalte Schulter zeigen. Das wiederum würde aber erstens dazu führen, dass ich so ziemlich jedem Mann in Köln die kalte Schulter zeigen müsste; zweitens hätten sich die "netten Abende" mit Freunden und Freunden von Freunden dann auch direkt erledigt; und drittens kann ich das mit der kalten Schulter eh nicht, weil ich mich nun mal gerne mit Leuten unterhalte, die ich noch nicht kenne. (Ich bin eben ein sozialer Mensch.)
Ein T-Shirt mit dem Aufdruck "Ich bin seit 10 Jahren mit meinem Freund zusammen, und wenn du glaubst, etwas daran ändern zu können, dann bist du der 956231495043ste, dem ich sage: Is' nich'!" würde wohl auch ein wenig arrogant wirken, oder schlimmer noch: erst recht den Ehrgeiz wecken, mir das Gegenteil zu beweisen.
Wie auch immer - ich möchte an dieser Stelle allen Single-Männern dieser Welt drei entscheidende Tipps zum Thema "Signale richtig deuten" geben - auch wenn man die eigentlich als Teil des gesunden Menschenverstands voraussetzen sollte:

1. Wenn sie sagt, sie hat einen Freund, dann hast du keine Chance! Denn hättest du eine, würde sie dir nicht sagen, dass sie einen Freund hat (selbst wenn sie einen hätte).

2. Wenn du deinen Arm um sie legst, sie aber ihren nicht um dich, dann ist sie entweder nicht interessiert oder zumindest noch nicht bereit, was in jedem Falle heißt: Schalt' erst mal einen Gang zurück!

3. Ihr zu sagen, dass ihr "wie füreinander geschaffen" seid, bringt genauso viel wie einem Fisch aufblasbare Schwimmflossen zu schenken. Sie weiß selbst am allerbesten, ob du zu ihr passt; und auch wenn du es ihr noch hundertmal sagst, wird sie im ungünstigsten Fall hundertmal denken: "Selbst die Recyclingtonne da hinten passt besser zu mir - die ist wenigstens gelb!"

Samstag, 27. Februar 2010

Gesammelte Germanisten-Gags

Jede Studiertengruppe hat ja so ihre eigenen Witze, die sich dadurch auszeichnen, dass sie meist nur von Angehörigen derselben Studienrichtung lustig gefunden werden. Ich bin studierte Auslandsgermanistin und muss jetzt einfach mal ein paar dieser Sprachwissenschaftler-Perlen loswerden - auch auf die Gefahr hin, dass sie von den Lesern dieses Blogs nicht verstanden werden.

Beginnen möchte ich mit den Farbwitzen, die sich dadurch auszeichnen, dass man nach einem Nonsens-Wort fragt, das aus zwei einzelnen Wörtern zusammengesetzt ist, wobei gilt, dass Wort 1 immer Teil von Wort 2 ist und dieses leicht verändert. Die Frage nach dem Nonsens-Wort beinhaltet jeweils ein Farbadjektiv sowie diverse weitere Eigenschaften. Das sieht dann am Ende so aus:

Was ist gelb und fett und sitzt in der Kirche immer in der ersten Reihe? - Fromm Frites!
Was ist violett, fruchtig und sitzt in der Kirche immer in der ersten Reihe? - Die Frommbeere!
Was ist weiß, dünn, lang und lebt im Himalaya? - Der Spaghyeti!

Oder, ganz aktuell (und auf Stephans Mist gewachsen):

Was ist grün, lang und in Frankreich bald verboten? - Die Gurka!

So weit, so gut... Kommen wir zum nächsten Germanisten-Witz-Genre: Freunden des gepflegten Imperativs (zu Deutsch: Befehlsform) werden die folgenden doppelsinnig lesbaren Wörter hoffentlich ein kleines Schmunzeln entlocken (Kommata sind an den entsprechenden Stellen gedanklich hinzuzufügen!):

Pariser Platz
Freier Fall
Blitzlicht
Fahrbahn
Grabmal
Weinflasche
Armleuchte
Wachsmalstift

Und dann hätten wir da noch die sprach- bzw. dialektübergreifenden Witze:

Wie heißt der chinesische Verkehrsminister? - Um Lei Tung.
Wie heißt der schwedische Sexminister? - Lasse Samström.

Zu guter Letzt noch meinen persönlichen Favoriten, der auch gerne mal von Rainald Grebe zitiert wird:

Was sagt ein Sachse in den USA, wenn er einen Weihnachtsbaum kaufen will? - A Dännschn, please!

Montag, 9. November 2009

Gedanken zum Mauerfall

Ich sitze seit einer Woche in der Redaktion einer Kölner TV-Produktionsfirma und absolviere ein Praktikum, unbezahlt, obwohl ich dem Unternehmen durch meine Arbeit (hoffentlich) bald bares Geld liefere. Um mich herum lauter nette Menschen - aus Hannover, Bonn, Remscheid...

Letzten Mittwoch war ich mit Susanne in einem arabischen Café in der Kyffhäuser Straße, wo wir diesen superleckeren gesüßten Melissen- bzw. Pfefferminztee getrunken haben. Susanne ist aus Düsseldorf. Ich habe sie während meines ersten längeren Italienaufenthalts kurz nach dem G8-Gipfel in Genua kennen gelernt, wo wir uns ein halbes Jahr lang mit zwei Spaniern und zwei anderen deutschen Mädchen eine WG geteilt haben. Mit Susanne zusammen zu sein ist wie 365 Tage im Jahr Sonnenschein. Wenn es eine Freundschaft in meinem Leben gibt, die ich niemals missen möchte, dann diese.

Einen Tag später habe ich mich nach der Arbeit mit Tom auf ein paar Gläschen Kölsch im Stadtgarten getroffen. Tom ist in Münster aufgewachsen, auch wenn die Familie seines Vaters ursprünglich aus Mecklenburg kommt, von dort aber noch vor dem Mauerbau in den Westen geflohen ist. Er hat sich halb totgelacht, als ich ihm erzählte, dass wir "damals" besonders gute Ware nur im Exquisit bzw. Delikat kaufen konnten oder (mit Westgeld) im Intershop.

Ich spreche vier Sprachen fließend, weil meine Eltern mir mit 16 Jahren einen elfmonatigen Gastfamilienaufenthalt in den Niederlanden ermöglichten, wo ich mir von (nicht nur) einem US-Amerikaner das Herz brechen ließ, aber dafür immerhin fließend Englisch und natürlich Niederländisch lernte; und weil ich nach dem Abi insgesamt 14 Monate in Italien gewohnt und gearbeitet habe, spreche ich auch die schönste Sprache der Welt weitgehend akzentfrei.

Vor drei Jahren haben sich meine Eltern getrennt - nach über 25 Jahren Ehe, die seit der Wende jedoch nur noch eine Wochenend-Ehe war, weil mein Papa aus wirtschaftlich-finanziellen Gründen in Hannover arbeitete und jede Woche pendelte.

Mein Bruder ist seit drei Jahren verheiratet. Seine Frau ist Kubanerin. Er hat sie bei einem Studienaufenthalt in Havanna kennen gelernt. Um nach Deutschland kommen zu können, musste sie ihr fast fertiges Studium im sozialistischen Kuba abbrechen und in Berlin noch einmal völlig von vorn anfangen, da sie als Absolventin nicht aus Kuba hätte ausreisen dürfen. Sie kommt aus einem Land, das sich rühmt, die besten Ärzte der Welt auszubilden, aber wenn nicht jeden Tag jemand bei ihrer Mutter im Krankenhaus wäre, um zu überwachen, dass ihr die erforderlichen Medikamente für ihre Bindehautentzündung auch tatsächlich verabreicht werden statt auf dem Schwarzmarkt zu landen, hätte diese ihr Augenlicht wahrscheinlich längst verloren.

Ich habe die ersten Jahre meines Lebens ohne Telefon verbracht. Auch in meiner Jugend habe ich nicht viel telefoniert, weil meine Eltern noch lange nach der Wende nur ein Funktelefon besaßen, mit dem das Anrufen extrem teuer war. Ich glaube, dass das der Hauptgrund dafür ist, warum ich es auch heute noch hasse zu telefonieren.

Ich könnte sicher noch tausend andere Beispiele bringen, die zeigen, dass sowohl die DDR als auch der Mauerfall und damit die BRD mein Leben und damit auch meine Persönlichkeit in nicht unerheblichem Maße geprägt haben - im positiven wie auch negativen Sinne. Aber wenn ich dann kurz in mich gehe und an all die Menschen, Orte und Sprachen denke, die ich nur (kennen) gelernt habe, weil heute vor 20 Jahren in Berlin die Mauer fiel, dann kann ich mit Überzeugung sagen: Ohne die Wende wäre ich jetzt nicht die, die ich heute bin. Vielleicht wäre ich dennoch glücklich, aber ganz gewiss nicht wunschlos!

Sonntag, 8. November 2009

Zitat des Tages

"Jemand, der nach Köln geht und dort niemanden kennen lernt, muss gestört sein." (Katha, 07.11.2009, 23:47 Uhr)

Samstag, 29. August 2009

Befremdliche Berliner Begegnungen

Drei Wochen habe ich das Hauptstadtleben nun genossen, aber auch in seiner Eigenartigkeit erlebt. Drei Begegnungen sind mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben.

Begegnung der ersten Art:
Gleich an meinem ersten Arbeitstag überquere ich an einer Stelle, an der der Fußweg aufgrund einer Baustelle gesperrt ist, die Straße, laufe das kurze Stück jedoch auf der Fahrbahn und nicht auf dem gegenüberliegenden Fußweg, weil man diesen durch die sehr eng parkenden Autos nur schwer erreicht und ich eh gleich wieder auf die Straßenseite wechseln muss, auf der mir die Baustelle den Weg versperrt. Ich bin fast vorbei, da hält ein Polizeiauto neben mir, und ein älterer Herr in Uniform, der um meine Sicherheit als Fußgänger besorgt ist, fragt mich, warum ich nicht den Bürgersteig benutze. Ich muss lachen und sage, dass auf dem Bürgersteig gebaut wird, doch er verweist auf den gegenüberliegenden Bürgersteig. Dass ich den durch die eng parkenden Autos nicht erreiche, tut er mit einem "Na hören Sie mal, Sie sind doch rank und schlank!" ab, und mein "Ich will aber eh gleich wieder auf die andere Seite wechseln" ist wohl auch kein ausreichendes Argument. Am liebsten möchte ich ihm einen Vogel zeigen, doch stattdessen quetsche ich mich grummelnd zwischen den parkenden Autos durch, gehe noch zwei Meter auf dem gegenüberliegenden Bürgersteig und quetsche mich dann wieder durch die parkenden Autos, um zurück auf die andere Seite zu gelangen, und sinniere dabei, ob es in Berlin für einen Polizisten nicht wichtigere Aufgaben gibt, als junge Frauen auf dem Weg zur Arbeit zu nerven.

Begegnung der zweiten Art:
In Woche 2 sitze ich ein paar Schritte von meiner Wohnung entfernt bei meinem Lieblingsitaliener, der eigentlich gar kein Italiener ist, und esse meine Lieblingspizza mit Blick auf die Schönhauser Allee. Ab und zu fährt jemand mit dem Rad vorbei - so auch ein unscheinbarer Typ Mitte bis Ende 30, nur mit dem Unterschied, dass dieser plötzlich bremst, umdreht und wieder zurückfährt, direkt vor meinem Tisch hält, seine Kamera herausholt und mich fragt, ob er ein Foto von mir machen darf. Er sei immer auf der Suche nach schönen Momentaufnahmen des Berliner Alltags. "Von mir aus gerne!", erwidere ich kauend. Er positioniert sich so, dass er das "Pizza Time"-Leuchtschild im Hintergrund auch noch mit drauf hat und bittet mich, meinen Blick ganz unbeteiligt in die Ferne schweifen zu lassen, drückt ab und bedankt sich. Er erzählt mir, dass er das Foto noch heute Abend in seinem eigenen Badezimmer entwickelt, welches er offensichtlich zu einem Fotolabor umgebaut hat, und das erinnert mich irgendwie total an meine Kindheit. Fotos selber entwickeln - das waren noch Zeiten! Die Vorfreude auf das Ergebnis, die große Frage, ob die Bilder scharf sind, ob man gut getroffen ist... so viel Spannung, die einem die modernen Digitalkameras genommen haben. Schade eigentlich, aber dennoch so viel praktischer... ;o)

Begegnung der dritten Art:
Ich habe jetzt drei Wochen lang absolute Anfänger an einer Sprachschule unterrichtet, die nach dem "Full immersion"-Prinzip verfährt, d.h. in der Klasse wird von Anfang an nur Deutsch gesprochen. (Könnt ihr euch mein Gesicht vorstellen, als ich das zum ersten Mal hörte - Full immersion = Nur Deutsch sprechen!?) Nun ja, man kann sich ja vorstellen, dass es schwer ist, in einem Anfängerkurs nur Deutsch zu sprechen, aber es geht, und es wird an dieser Schule so praktiziert. Über den Sinn lässt sich sicherlich streiten, zumindest in Anfängerkursen. Ich habe mich - das gebe ich ehrlich zu - in der ersten Woche nicht daran gehalten und ein paar Dinge auf Englisch erklärt, da meine Kursteilnehmer alle Englisch verstanden haben und man eben nicht alles mit Bildern und tabellarischen Übersichten erklären kann. Von vielen Teilnehmern habe ich dafür jedoch positive Reaktionen erhalten. Zwei haben sogar noch eine Zusatzwoche gebucht, weil sie in meinem Unterricht (im Gegensatz zu dem der anderen Lehrer) viel mehr verstanden haben. In meinem Nachmittagsintensivkurs, in dem ich nur ein amerikanisches Pärchen hatte, habe ich ebenfalls ein paar Dinge auf Englisch erklärt, und zwar nur, weil die beiden bei ihren Vormittagskurslehrern viele Dinge nicht verstanden hatten, die diese nur auf Deutsch erklärt hatten. Nun saßen wir während des Intensivkurses wegen der enormen Hitze meistens im Innenhof der Sprachschule, wo sich zu diesem Zeitpunkt aber noch andere Schüler und Lehrer aufhielten; und offensichtlich bekam eine der Lehrerinnen mit, dass ich mit meinen Schülern Englisch sprach. Doch statt nach der Stunde zu mir zu kommen und mich persönlich darauf hinzuweisen, dass an dieser Schule kein Englisch im Unterricht gesprochen werden soll (woraufhin ich ihr hätte erklären können, dass mich die beiden explizit darum gebeten hatten), ging sie lieber gleich zu Chefin und "verpfiff" mich. Ich weiß nicht, ob ich an dieser Stelle vielleicht zu empfindlich bin, aber Leute, die zu feige sind, einem ins Gesicht zu sagen, was man ihrer Meinung nach falsch gemacht hat, die über einen urteilen, ohne einem die Möglichkeit zu geben, sich zu erklären, und die immer gleich alles nach oben petzen, nur um im Endeffekt selbst besser da zu stehen, sind mir zutiefst zuwider! Dies ist auch einer der Gründe, warum ich meine Arbeit in Berlin vorzeitig beendet habe. Zum einen stehe ich einfach nicht voll hinter dem Konzept der Schule, zum anderen ist es deprimierend, wenn man den "Oberen" trotz all des positiven Feedbacks, das man von den Schülern erhalten hat (und zwar vor allem dafür, dass man im Unterricht NICHT nur Deutsch geredet hat), und trotz der (auch finanziell) positiven Resonanz in Form von Kursverlängerungen am Ende doch eher in negativer Erinnerung bleibt.

Immerhin hatte ich in meinen drei Wochen Berlin auch viele Begegnungen der netten Art: So habe ich viele meiner Schüler wirklich ins Herz geschlossen und muss zugeben, dass ich sie ein bisschen vermisse, genauso wie meine Co-Lehrer der ersten zwei Wochen Anne-Kathrin und Gülden, sowie natürlich auch meine Mitbewohner Joana und Michael (- keiner bäckt sooooo gut!), und nicht zu vergessen meine "alteingesessenen" treuen Gefährten Alex, Henrik, Mairim, mein Bruderherz, Katrin und Stephan, die mir die Tage in der Hauptstadt doch noch sehr versüßt haben.

Dienstag, 28. Juli 2009

Schweiz-Urlaub 2009, Teil 2: Säntis-Wanderung

So, hier nun noch - wie versprochen - der Rest:

Erste Etappe: Wasserauen - Meglisalp


Zweite Etappe: Meglisalp - Säntis


Klick aufs Bild zum Vergrößern!

Freitag, 24. Juli 2009

Schweiz-Urlaub 2009, Teil 1: Zürich

Mein diesjähriger Schweiz-Urlaub neigt sich dem Ende zu, und wie versprochen gibt es nun auch die erste Foto-Collage. Los geht's mit Bildern aus Zürich, wo wir am Sonntag einen Stadtrundgang gemacht haben. Dabei sind wir am Limmat entlangspaziert, haben uns das Grossmünster, die Fraumünster- und Wasserkirche, das alte Rathaus und die Quaibrücke angeschaut und zum Schluss noch eine Bootsfahrt über den Zürichsee gemacht. Morgen gibt es dann die nächsten visuellen Eindrücke, und zwar von unserer Säntis-Wanderung.

Zum Vergrößern aufs Bild klicken!

Dienstag, 21. Juli 2009

Wer hat eigentlich behauptet, dass man nicht in Hotpants durch den Schnee schlittern kann?

Den Höhepunkt - im geographischen wie übertragenen Sinne - meines Schweiz-Urlaubs bildete heute die Erklimmung des Säntis, des höchsten Bergs im Alpstein (2.502 Meter ü.M.). Wir starteten hochmotiviert. Mit dabei: Team Kuba+Italien/Mission "Romeo y Julieta" (Ingo und Trulli) sowie Team Schweiz+Deutschland/Mission "Chuchichäschtli vs. tschechischer Chef-Chemiker auf griechisch-chinesischen Passagierschiffen*" (Stephan und ich).

* © Serdar Somuncu

Am Anfang lag Stephan vom Team Chuchichäschtli weit vorne, während ich mit Ingo das Schlusslicht bildete. Beim großen Boxenstopp auf der Meglisalp trafen jedoch alle Mitstreiter wieder aufeinander und füllten sich die Bäuche mit Bürli und Schoggigipfeli, um die letzte große Etappe zu meistern. Obwohl Trulli anfangs die Führung übernommen hatte, entschloss sie sich aus Angst, es nicht rechtzeitig bis zur Abfahrt der letzten Seilbahn um 18 Uhr auf den Säntis zu schaffen, auf halber Höhe, zusammen mit ihrem Teamkameraden Ingo die Mission "Romeo y Julieta" vorzeitig zu beenden und nach Wasserauen zurückzukehren. Damit entging den beiden leider das spannendste Stück, denn da es im Alpstein oberhalb der 1.200-Meter-Marke vor zwei Tagen noch einmal geschneit hatte, taten sich nun weite Schneefelder vor uns auf. So eine verschneite, karge Berglandschaft mitten im Juli hat schon etwas seltsam anmutendes, vor allem, wenn man bergsteigertechnisch so schlecht ausgerüstet ist wie ich. Im Gegensatz zu den anderen hatte ich weder ordentliche Wanderschuhe (obwohl meine Nike Airs alles in allem gute Dienste geleistet haben) noch schneefeste Kleidung (ich habe aber in meinen Hotpants dennoch nicht gefroren - immerhin war es sonnig und warm). Unser Einsatz hat sich auf alle Fälle gelohnt, denn das einzigartige Panorama entschädigte uns für sämtliche Strapazen: Da das Wetter extrem gut war, konnten wir von der Spitze des Säntis 6 verschiedene Staaten sehen - Deutschland und den Bodensee im Norden, Frankreich im Nordwesten, Italien im Süden, Liechtenstein und Österreich im Osten sowie natürlich die Schweiz.
Die übliche Fotocollage folgt in den nächsten Tagen. Bis dahin gibt es erst einmal diesen Schnappschuss:

Zum Vergrößern draufklicken!