Mittwoch, 6. April 2011

Requiem

Eigentlich ist es ja völlig egal, wie man beerdigt wird. Man bekommt es schließlich sowieso nicht mehr mit. Und trotzdem fände ich den Gedanken zu wissen, dass meine Beerdigung - zumindest ansatzweise - nach meinen Wünschen verläuft, beruhigend. Nun ist es so, dass ich noch nicht einmal 30 bin und meine Beerdigung statistisch gesehen erst in 53 Jahren stattfindet. Trotzdem gibt es Momente im Leben, in denen man mit dem (vorzeitigen) Tod konfrontiert wird - so wie letzten Freitag, als ich unser Auto auf der A9 zwischen Droyßig und Eisenberg wegen eines Vollidioten, der sich zu fein zum Blinken war, in die Mittelleitplanke fuhr. Totalschaden, Massenkarambolage, Vollsperrung - und wie durch ein Wunder keine Toten und keine Verletzten, nicht mal ein Kratzer. Ich habe nicht einen Moment daran gedacht, dass ich sterben könnte, meine Mitfahrer schon. Aber danach, wenn der Schock vorbei ist und man langsam wieder klare Gedanken fassen kann, danach fängt es im Gehirn an zu rattern: Was wäre, wenn... und hätte ich nicht...? Dann kommen sie plötzlich doch, die Fragen nach den Eventualitäten, und der Tod ist auf einmal nicht mehr nur pure Statistik, sondern etwas Persönliches, zum Greifen Nahes, Absehbares. Darum also auch die Überlegungen, wie ich mir meine Beerdigung wünschen würde. Und nein, ich werde jetzt nicht zum Notar rennen und mein Testament schreiben. Aber sollte ich das nächste Mal nicht ganz so viele Schutzengel bei mir haben, könnt ihr diesen Post ja berücksichtigen.
Da wäre zunächst einmal die Farbe der Kleidung. Schwarz ist klassisch, aber inakzeptabel. Ich bin kein Schwarzseher, und deshalb will ich auf meiner Beerdigung auch keine schwarz gekleideten Menschen haben. Ich schlage stattdessen lila vor. Vielleicht etwas viel verlangt, vor allem von den Männern, aber ich würde auch schwarze Anzüge mit lila Hemden akzeptieren. Oder zumindest ein lilafarbenes Einstecktuch. Hauptsache irgendein Farbtupfer. Lila hätte den Vorteil, dass es ein schöner Kontrast zu meiner Lieblingsfarbe gelb wäre, und gelb wären alle Blumen. Natürlich nicht irgendwelche Blumen - nein - es müssten schon meine Lieblingsblumen sein. Gelbe Gerberas sollen meinen Sarg zieren. Womit wir schon beim nächsten Punkt wären. Ich möchte nicht verbrannt werden. Irgendwie fühle ich mich beim Gedanken daran nicht wohl. Lieber von Würmern zerfressen lassen - dann hat der Tod wenigstens noch einen kleinen Nutzen, nämlich den, eine Wurmfamilie satt zu machen. Ja, das würde mir gefallen. Und dann die Musik. Die Musik ist das Allerschwierigste! Wählt man etwas Fröhliches, Positives, hat man nichts gekonnt, weil in solchen Momenten keiner fröhlich ist und der Sinn des Liedes nicht zu den Leuten durchdringt. Wählt man etwas Schauriges, Trauriges, deprimiert man die Leute nur umso mehr. Gar keine Musik ist gar keine Option. Was also dann? Ein Instrumentalstück? Aber welches? Oder mein Lieblingslied? Aber ich habe so verdammt viele. Und wer weiß, ob die ältere Generation bei meinem Musikgeschmack nicht Gefahr laufen würde, einen Hörsturz zu erleiden. Vielleicht doch lieber einen Klassiker wie Sinatras "My Way"? Nein! Klassisch ist was für Hochzeiten. Beerdigungen sollten individuell sein. Ich hab's! Eine Live-Band muss her - oder auch ein Solomusiker. Und weil ich Überraschungen über alles liebe, werde ich keinen konkreten Song vorschlagen, sondern die Playlist auswürfeln lassen. Zur Auswahl stehen dann meine 20 meistgehörten Lieder bei Lastfm, und der Magic-Würfel entscheidet, welche davon gespielt werden. Wie viele und in welcher Form - d.h. ob rein instrumental, von einer Band, einem Sänger oder auch nur von CD gespielt, das sei meinen Hinterbliebenen überlassen. Denkt euch was aus! Und bitte, bitte, bitte nehmt ein Foto, auf dem ich lächle! Am besten eins in irgendeinem blöden Kostüm mit ganz vielen anderen Leuten um mich herum... denn wenn schon alleine sterben, dann wenigstens nicht einsam.

Montag, 28. März 2011

Kultursüchtig?!

Ja, ich gebe es zu, ich brauche mindestens einmal im Monat Kabarett (wie guuuuut, dass es das Primetime Theater gibt!), ich will Konzerte besuchen, wild herumspringen, meine Lieblingslieder lauthals mitgrölen, danach einen Sticker für unsere Konzerte-Pinnwand in der Küche aussuchen und meine letzten Cent-Stücke für die neueste EP des Künstlers zusammenkratzen; ich finde literarische Lesungen spannend (selbst wenn es im Buch um die Probleme überreifer Männer geht), und ich liebe es, nach dem Schauen eines kritischen Dokumentarfilms über die Teilprivatisierung des Wassers noch stundenlang mit den anwesenden Experten über dessen Inhalt zu diskutieren, ich gehe zu Hörspiel-Krimi-Premieren und bin dabei, wenn das Theater des Westens am Tag der offenen Tür Headbanging-Workshops und Einblicke in die Proben und Inszenierung seines Musicals "We Will Rock You" gibt, ich sage nicht nein, wenn mich Benjamin von Stuckradt-Barre in seiner Late Night Show als Zuschauer im Publikum dabei haben möchte, lasse mir von Thilo Schmied erzählen, wo Depeche Mode in Berlin ihr Album "Some Great Reward" aufgenommen haben, und bin neuen kulinarischen Erlebnissen gegenüber immer aufgeschlossen. Ja, ich bin kultursüchtig, und nein, ich kann mir nicht vorstellen, dass es etwas damit zu tun hat, dass ich im Job völlig unterfordert bin. ;o)

Sonntag, 20. März 2011

Wie wertvoll ist ein wohlgeformtes Wort?

Oder sollte ich besser fragen: Wie wirtschaftlich? Denn dass ein korrekt geschriebenes Wort oder gar ein ganzer in gutem Deutsch geschriebener Satz so viel schöner, sinnvoller und vor allem verständlicher ist als solche, die vor Fehlern nur so wimmeln, sollte doch eigentlich jedem halbwegs intelligenten Menschen klar sein, oder? Wer fehlerhafte Texte schreibt und sich dann auch noch die Blöße gibt, sie unkorrigiert zu veröffentlichen, hinterlässt bei seiner Leserschaft nicht nur (teilweises) Unverständnis, sondern auch Wut, das Gefühl, nicht ernst genommen zu werden, nicht wichtig zu sein. Ein schlecht geschriebener Text beleidigt nicht nur dessen Inhalt, sondern vor allem dessen Leser.

In unserem schönen Nachbarstaate, den Niederlanden, fühlen sich derzeit Fans der Fernsehserie "The Pacific" (Nachfolger des preisgekrönten "Band of Brothers") beleidigt, weil Warner Bros zwar ein Heidengeld in deren Realisierung gesteckt hat ("The Pacific" soll die teuerste TV-Serie sein, die je produziert wurde), die niederländischen Untertitel der unlängst erschienenen DVD jedoch offensichtlich von einem Praktikanten mit Rechtschreibschwäche anfertigen ließ. Jedenfalls waren diese so fehlerhaft, dass Käufer im ganzen Land empört sind und ihr Geld zurück verlangen.
Ich würde mich nicht als jemanden bezeichnen, der schnell eingeschnappt oder generell nachtragend ist, aber in letzter Zeit fühle auch ich mich häufig beleidigt. Das fängt an, wenn ich die Speisekarte im Café um die Ecke lese und mich zwischen Latte Macciato, Ruccola-Salat mit Creme freche und Cornet Beff entscheiden muss. Früher wurden Speisekarten noch von einem Schriftsetzer bearbeitet, der über eine fachmännische Ausbildung verfügte, die auch die korrekte Beherrschung der deutschen Rechtschreibung und Grammatik beinhaltete. Heute kann nicht nur jeder Wirt werden, es kann auch jeder Speisekarten schreiben und drucken. Das allein wäre ja nicht schlimm - wenn jene Wirte in der Lage wären, den Duden zu benutzen. Wozu werden Fremdwörter wie Latte Macchiato, Rucola, Crème fraîche oder Corned Beef überhaupt in den Duden übernommen, wenn sich eh niemand dafür interessiert, wie sie richtig geschrieben (geschweige denn ausgesprochen) werden? Ich für meinen Teil bin jedenfalls zum ersten Mal an diesem Tag beleidigt. Die zweite Beleidigung folgt auf dem Fuße - in der U-Bahn wird für allerlei Dinge geworben, in den U-Bahn-Stationen selbst auf großen Plakaten, und überall lauern Rechtschreibfehler, Kommafehler, Tippfehler. Es scheint, als verfolgten sie mich den ganzen Tag, wohin ich auch gehe und was ich auch lese - sei es in der Zeitung, in E-Mails von Vorgesetzten, selbst in deren Signaturen, in Arbeitsverträgen, Romanen, Museen, Untertiteln von Filmen, auf Amtsvordrucken und in Webforen sowieso. Sie sind hässlich, und sie beleidigen mich.
Am beleidigendsten sind jedoch fehlerhafte Texte sogenannter Texter, d.h. Menschen, deren Beruf es ist, Texte zu schreiben. Wie kann man sich Texter nennen, wenn man nicht weiß, dass es "mit einem wohlgeformten Wort" und nicht "mit einem wohlgeformtem Wort" heißt? Wie kann man sich Texter nennen, wenn man zu stolz oder faul oder was-weiß-ich-nicht ist, um seine eigenen Texte Korrektur lesen zu lassen - und zwar von jemandem, der den Titel "Texter" verdient hat? Warum muss ich mich regelmäßig vor irgendwelchen Möchtgern-Textern, die meine Texte Korrektur lesen, dafür rechtfertigen, dass ich ein Komma richtig setze, nur weil die der Meinung sind, da gehört keins hin? Wozu gibt es verdammt noch mal den Duden und die Deutsche Grammatik? Warum wird die Word Rechtschreibhilfe konsequent ignoriert? Warum muss man keine Rechtschreibprüfung ablegen, bevor man Germanistik studiert oder sich Texter nennen darf? Warum will niemand mehr in diesem Land Geld für gutes Deutsch und gute Korrektoren ausgeben? Warum gibt es keine Rechtschreibpolizei, die Bußgeldbescheide für fehlerhafte Rechtschreibung verteilt? Die Staatskasse wäre im Nu gefüllt und ich endlich nicht mehr beleidigt.

Traurig, aber wahr: Auch die Rechtschreibkontrolle ist kein Wertgegenstand (mehr) - nicht einmal in staatlichen Museen.

Donnerstag, 10. März 2011

Mensch vs. Maschine im 21. Jahrhundert

Beruflich arbeite ich in den letzten Wochen ständig mit Google AdWords - Suchmaschinenoptimierung und so - echt klasse, sag ich euch. Theoretisch sollte AdWords, wenn man einen beliebigen Begriff eingibt, lauter verwandte Suchbegriffe ausspucken. Praktisch allerdings gibt man "Oster-Teelichthalter" ein, und AdWords listet einem so lustige Suchbegriffe wie "holzwäscheklammern zum basteln", "igel kostüm", "lichterkette für tannenbaum" und "sterne aus filz". Et voilà, es lebe die künstliche Intelligenz!


Freitag, 4. Februar 2011

Ewigkeit, Möglichkeiten und Sackgassen

Für immer und ewig. Das hört man so oft. Zu oft. Es ist nicht so, dass ich nicht an die Ewigkeit glaube; ich finde es lediglich naiv zu glauben, dass alles, was man "für immer" schwört, auch für immer bleibt. Meiner Meinung nach kann man höchstens schwören, dass man es versuchen und immer sein Bestes geben wird, aber ob es dann wirklich für immer sein wird? Was ist schon ewig? Manche Menschen schaffen es nicht einmal, eine Freundschaft über fünf Jahre aufrecht zu erhalten oder ihre Ausbildung abzuschließen oder sich ihrer Gesundheit zuliebe gesünder zu ernähren, mit dem Rauchen aufzuhören und Sport zu treiben. Überhaupt leben wir in einer Zeit, in der Durchhaltevermögen nichts mehr wert zu sein scheint. Stattdessen jammern wir und wählen einen einfacheren Weg, denn es gibt immer noch irgendeinen einfacheren Weg. Wir können uns gar nicht mehr retten vor lauter Möglichkeiten und wundern uns, wenn wir am Ende trotzdem in einer Sackgasse landen und nicht mehr weiter kommen. Und dann sind wir verloren, weil wir nie gelernt haben, in den Rückspiegel zu schauen, und weil wir zu stolz sind, uns umzudrehen und den Weg, den wir gekommen sind, zurück zu gehen.

Sonntag, 16. Januar 2011

Jahresmotto

Seit ein paar Jahren gebe ich - angeregt durch meinen liebreizenden Ehegatten und unseren langjährigen Freund Tilo sowie die chinesische Tradition, jedes neue Jahr einem Tier der Astrologie zu widmen - jedem Jahr ein neues Motto. Es begann mit dem Jahr des Fisches, in dem die beiden Herren sich vornahmen, regelmäßig zusammen schwimmen zu gehen, und ward gefolgt vom Jahr des Ochsen, in dem sie ihre Muskeln im Fitnessstudio stählten. Ich lebte zu dieser Zeit (es war das Jahr meiner Magisterarbeit) mehr das Jahr des Faultiers. 2009 erkor ich dann zum Jahr des Springbocks, weil ich in dieser Zeit (recht sprunghaft) von Ort zu Ort zog, bis ich mich schließlich - am Ende des Jahres - in Köln niederließ. 2010 wurde - ohne Zweifel - das Jahr der Turteltaube. Und 2011? Nachdem wir Ende letzten Jahres in die Stadt, die niemals schläft, gezogen sind und ich dieses Wochenende Konzerttickets im Wert von knapp 600 Euro (für zwei Personen) erstanden habe, um in den nächsten Monaten Madsen, Rise Against, das Udo-Lindenberg-Musical "Hinterm Horizont", Roxette, Bryan Adams und 2x Rainald Grebe live in concert zu sehen, denke ich, ich kann das "Jahr der Nachtigall" offiziell für eröffnet erklären. Einen schönen Einstieg und ersten Höhepunkt boten vor wenigen Stunden übrigens Madsen mit dem Nachholkonzert ihrer 2010er Labyrinth-Tour. Ohne zu zögern kann ich diesem den Titel "Bisher bestes Konzert meines Lebens" geben, weil einfach alles stimmte: Gute Sicht, ausnahmsweise mal keine betrunken-pokend-randalierenden Idioten um uns herum, Bombenstimmung, exzellente Songauswahl inklusive gelungenen Covern von Elvis über Take That bis zu La Roux, tolle Special Guests, spritzige Publikumsanimation durch die Band, im Gegenzug lustige Aktionen des Publikums und eine Hammerzugabe. So kann's weitergehen!




Sonntag, 2. Januar 2011

Statt eines Neujahrsposts...

...gibt es diesmal nur ein Foto, das - denke ich - ganz gut zusammenfasst, was ich mir für 2011 wünsche:

Wohnzimmer-to-be